Initiative HioB:
Jedem Notleidenden sein Dach über dem Kopf!

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Göttingen         

                                                                                                                      

Hilfe für Obdachlose                                                                                                            Bauwagen bietet Obdachlosen Unterkunft in schlechten Zeiten                        

                           

Seit einigen Tagen steht im Holundersteg in Nikolausberg ein knallgelber Bauwagen. Doch hinter dem schmucken Anhänger verbirgt sich ein Fall bitterer Not.

Nikolausberg                                                                 

Christian Hundeshagen ist Vorstand der Göttinger Edelgard-Löffelbein-Stiftung, die in Nikolausberg das im Mai eröffnete „Haus HioB“ („Hilfe ohne Bedingungen“) betreibt. Dort können Menschen unterkommen, die auf der Straße leben oder gerade aus ihrer Wohnung geflogen sind und in Göttingen keine Chance auf eine Wohnung haben.

„Seitdem geht es mir gut“

Der Bungalow ist mittlerweile mit acht Bewohnern voll belegt – unter anderem mit einem irakischen Studenten, der nach einem Wasserschaden von seinem Vermieter fristlos auf die Straße gesetzt wurde, und von einem 52-Jährigen, der nach 30 Jahren massiver Alkoholabhängigkeit seit Mai im Haus HioB wohnt. „Seitdem geht es mir gut“, sagt er. „Nach meinem Einzug hier geht es ständig bergauf.“ In der Zeit in Nikolausberg habe er keinen einzigen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Und eine 49-jährige Frau wohnt mit ihrer 17-jährigen Tochter seit August in dem Bungalow am Holundersteg: Seitdem sich die 49-Jährige von ihrem Ehemann getrennt hat, haben beide keine Wohnung mehr.

Die sieben „HioB“-Zimmer sind voll, für Claudia (vollständiger Name der Redaktion bekannt) ist daher kein Platz mehr da. Die schmale Frau Anfang 40 hat in den vergangenen Jahren großes Pech gehabt: Eine Erbschaft nutzte sie, um sich ihren Lebenstraum von einem eigenen Haus zu erfüllen. Doch in dem Gebäude in Bovenden steckten jede Menge gut getarnte und vor allem gesundheitsgefährdende Mängel. „Überall war Schimmel“, sagt Claudia. Davon sei sie krank geworden. Sie sei „gnadenlos über den Tisch gezogen“ worden.

Alles Geld weg

Das Haus wird sie nicht los, das gesamte Geld ist weg. Monatelang lebte Claudia an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet in einem Zelt. Irgendwann habe es Ärger mit dem Ordnungsamt gegeben, das das Zelt im öffentlichen Raum nicht habe dulden wollen, sagt Stiftungschef Hundeshagen. Zwei Nächte übernachtete sie in einem Vorraum der Göttinger Sparkasse, bevor sie von der Polizei vertrieben wurde.

Zwischenzeitlich hatte die Löffelbein-Stiftung für Claudia in einem großen Göttinger Wohnblock eine kleine Wohnung angemietet. Doch das ging nicht lange gut: Zwei Wochen lang lebte sie auf der Straße, weil ihr Freund aus Wut die Wohnungsschlüssel weggeworfen hatte.

Um Claudia zu helfen, hat Stiftungschef Hundeshagen jetzt einen Bauwagen besorgt. Mit Schwierigkeiten: Ein angeblich nur leicht reparaturbedürftiger Wagen in Süddeutschland erwiese sich als nicht bewohnbarer Schrotthaufen. Schließlich stieß Hundeshagen auf einen soliden Bauwagen in Holland. Seit ein paar Tagen steht der schmucke gelbe Wagen vor dem Haus HioB. Sogar ein kleiner Gasofen ist schon eingebaut. Der Rest der Einrichtung soll bald folgen: ein Bett, ein Tisch und Regale. Mehr Platz allerdings bietet der Bauwagen nicht.

Größer als das Zelt

Trotz der Enge kann sich Claudia gut vorstellen, in den Bauwagen einzuziehen. Und: Größer als ihr altes Zelt sei der Wagen allemal.

Doch der Standort im Holundersteg kann nur vorübergehend sein, weiß Hundeshagen. Zugelassen ist der Anhänger nicht. Daher sucht die Stiftung jetzt dringend einen Stellplatz im Stadtgebiet. Am besten ein Gartengrundstück mit Wasseranschluss. Für die kurze Zwischenzeit hofft Hundeshagen auf das Verständnis der Nachbarn.

Ehrenamtliche Helfer

Betreut werden die „HioB“-Mieter durch ein sechsköpfiges Team von ehrenamtlichen Helfern. Eine medizinische Grundversorgung gibt es auch – Stiftungschef Hundeshagen ist Arzt für Allgemeinmedizin mit einer eigenen Praxis.

Außerdem sucht die Stiftung für ihre Klientel weitere Wohnungen zur Miete. Mit Blick auf die nicht immer einfachen Bewohner stellt sie eine Kaution in Höhe von sechs Monatsmieten und räumt Vermietern nach einem Jahr ein Sonderkündigungsrecht ein. Kontakt: Telefon 01 52 / 05 17 85 33.

Von Matthias Heinzel